Meine erste Ironman-Distanz (3,8/180/42,2)

Nach Absolvierung der Halbironman-Distanz 2018 reifte bei mir der Entschluss am 31.8.2019 in Podersdorf meine erste Ironman-Distanz zu versuchen. Die Königsdisziplin im Triathlonsport, die man im „Grundlagenbereich“ umsetzt. Die Vorzüge von Podersdorf sind aus meiner Sicht, dass sich Aufwand und Kosten (€ 350,– Startgeld 🙂 ) zum nahen Neusiedlersee vergleichsweise zu anderen Austragungsorten niederer halten lassen. Außerdem trifft man zahlreiche bekannte Sportler aus der eigenen Region. Theoretisch wäre es auch denkbar ohne Nächtigung auszukommen. Darüber hinaus konnte ich vor allem noch bis in den späten Sommer mit dem Radl draußen trainieren, nachdem ich indoor sowieso nicht ausgestattet bin fürs Radtraining. Ich besitze lediglich einen uralten Hometrainer vom Sperrmüll, den ich regelmäßig meinen Trainingskollegen vorführe. Aufgrund dieser schlechten Ausgangsbedingungen bin ich Ende 2018 noch lange draußen mit dem Rad gefahren und hab bereits im Februar ab 10 Grad beginnend mit 4 Schichten teils meine Einserstrecke vom Büro aus von Wien nach Hause zurückgelegt. Generell hab ich in diesem Jahr so viele Radkilometer zurückgelegt wie noch nie zuvor, zumal hier bei mir wohl die grössten Defizite im Vergleich zu anderen Sportlern vorliegen und ich die größten Sorgen hatte. Dank Edi Nagl (LAC Harlekin) begann ich 6 Monate vor dem Wettkampf meine geleisteten Umfänge auch auf einem ausgedruckten Trainingsplan festzuhalten was ich sonst nie mache. Von da her weiß ich, dass ich von April bis Ende August (6 Monate) ca. 120 km geschwommen, 2.850 km mit dem Rad gefahren und 650 km gelaufen war. Dies entsprach inkl. Stabitraining ungefähr einer 11 Stundenwoche (inklusive Tennis 13,60 Stundenwoche). Im Vergleich zu anderen Athleten ist das immer noch eher weit unten zu sehen aber für mich war es teils eine große Steigerung. Aber nun der Reihe nach:

Beim Schwimmen habe ich überhaupt im letzten Jahr konsequent aufgeholt. Erstmals ausgestattet mit einer Halbjahreskarte bei den Wiener Bädern ging ich konsequent in 6 Monaten mindestens 2x pro Woche schwimmen. Wenngleich das Training selbst sicher noch viel technikorientierter laufen sollte und dort noch immer deutliche Defizite vorliegen wie mir Angelika Artner (LAC Harlekin) im Freibad Mistelbach attestierte, war ich aber immerhin zur kalten Jahreszeit jede Woche rund 200 Längen im Wasser, oftmals in Begleitung von Helmut Müllner (TRI Team Musketiere), der sich auch gerne im Großfeldsiedlungsbad einfindet. Beim Sprinttriathlon in Reyersdorf konnte ich mich im schwierig zu schwimmenden Becken auf 500 m auf 9 Minuten und 11 Sekunden verbessern, wo ich vor wenigen Jahren noch fixi foxi bei rund 11 Minuten aus dem Wasser stieg. Eine deutliche Steigerung war damit verschriftlicht. Vorbei waren nun endgültig die Zeiten als ich bei Wettkämpfen schon nach kurzer Zeit auf Brustschwimmen umstellen musste weil ich so schneller gewesen bin. Ich hätte vor einigen Jahren nicht gedacht, dass jene Disziplin, die ich einst am meiste hasste, bei meiner ersten Ironman-Distanz zur sichersten werden würde. Aufgrund der noch vor dem Wettkampf abgehaltenen längeren Freischwimmaktivitäten war ich mir im Vorfeld bereits sicher, die Schwimmdistanz mit einer passablen Zeit abschließen zu können, ohne einen Fuß auf den Boden des Neusiedlersees setzen zu müssen. Selbst das kurzfristig ausgesprochene Neoprenverbot des Schiedsrichters das in der Wechselzone für kräftiges Murren sorgte, weil es mehr Kraftaufwand beim schwimmen und eine etwas längere Zeit bedeutete (der See hatte über 25 Grad; ab 24,4 Grad gilt Neoprenverbot) konnte mich nicht durcheinander bringen und so so kam es, dass ich nach 1 Stunde und 18 Minuten (63.) nach 3,8 km sehr gut erhalten aus dem See stieg und in die Wechselzone eilte. Noch bei keinem anderen Schwimmsplit zuvor war ich so ruhig und ausgeglichen geschwommen.

Aus der von Jenny Kraus (LAC Harlekin) geborgten Triathlon-Fiebel und aus einigen Gesprächen mit anderen Sportlern wusste ich, dass einer der häufigsten Fehler bei der Ironman-Distanz darin lag, dass viele Sportler zu schnell am Rad beginnen und später entweder schon am Rad oder beim Laufen einbrechen. Du hast monatelang trainiert, hast seit 2 Wochen getapert, die Wettkampfatmosphäre und das Adrenalin gaben auch mir tatsächlich das Gefühl, ohne weiteres 40 km/h Schnitt zu Beginn fahren zu können. Aber ich besann mich dessen, was ich gelesen hatte und mir diesbezüglich auch mein Spezi Jürgen Babitsch (LAC Harlekin) ins Ohr gelegt hatte: „Fahr ja die ersten beiden Runden nicht zu schnell an, sonst wird das furchtbar! Der Schlüssel für eine gute Ironman-Zeit liegt beim abschließenden Marathon!“ Doch wo lag diese Grenze, die ich fahren sollte, ohne frühzeitig einzubrechen und auch nicht ausgeruht nach 180 km am Rad stehen zu bleiben. Für jemanden der nicht nach Watt trainiert und bis vor kurzem nicht einmal eine Uhr hatte, um Radeinheiten genauer zu analysieren und obendrein nur wenige lange Ausfahrten über 120 km stehen hatte, war das eigentlich schwierig im Vorfeld herauszufinden. Geschweige denn, wenn es noch so heiß ist und man noch einen ordentlichen Marathon laufen und keinen Wandertag abhalten wollte. Es war klar, dass ich nicht jenes Tempo von Hans Hauer (LAC Harlekin) oder Jürgen Babitsch (LAC Harlekin), die ebenfalls teilnahmen, fahren konnte. Ich entschied mich nach reiflicher Überlegung bereits im Vorfeld maximal 32 km/h Schnitt zu fahren und mich nicht von schnelleren Fahrern verleiten zu lassen. Diesen Plan habe ich dann auch exakt umgesetzt und ließ schweren Herzens schon in der ersten 30km Runde rund 20 Fahrer vorbeiziehen. Mein häufigster Blick war auf die Gesamtdurchschnittsgeschwindigkeit gerichtet, die immer auf diesen Wert lag. Ich habe laut Pentek 6 gleichschnelle Runden mit 32 km/h Schnitt hingelegt. Ab Runde 5 habe ich bereits vereinzelt Leute zurücküberholt, die sich offenbar schon abgeschossen hatten. Ebenso viel Wert legte ich auf eine genau geplante Versorgung mit Essen und Trinken während des Radsplits. Während einer Ironman-Distanz verlierst du knapp unter 10.000 Kalorien und es ist eine der wichtigsten Aufgaben, diese auch wieder laufend aufzunehmen. Du musst praktisch das ganze Rennen über Essen und Trinken. Nach Gesprächen mit Franz Leitner (Top Team Tri NÖ), Hans Hauer (TRI Team Neudorf) und einem Tipp von Jenny Kraus (LAC Harlekin) füllte ich alle meine Gels (12), die ich im 30 Minuten Rhythmus nehmen wollte, in eine eigene dritte transparente Radflasche und machte mir Markierungen für 12 Einnahmen. Zur selben Zeit nahm ich jeweils einen halben Riegel zu mir. Alle 60 Minuten eine Salztablette. Außerdem war Plan in jeder 30 km-Runde mindestens eine 800 ml Radflasche auszutrinken, um bei der Labstelle jeweils eine neue aufnehmen zu können. Alles was ich sonst noch ungeplant in die Hände bekam, wollte ich auch noch wenn möglich zu mir nehmen, weil es vor allem auch noch leichter ist als beim Laufen. So der Plan und auch die praktische Umsetzung. Während des Rennens hatte ich damit 9 Radflaschen (7,2 Liter) getrunken. Mit der selbst vorgegebenen Durchschnittsgeschwindigkeit stieg ich im Endeffekt wie geplant nach 5 Stunden und 34 Minuten nach 180 km vom Rad (101.) und kam zum zweiten Mal in die Wechselzone (Durchschnittspuls 133), um aus Angst vor Blasen noch ein zweites Paar Socken anzuziehen und noch sicherheitshalber 3 Gels und 3 Salztabletten selbst mitzunehmen. Ich hatte widererwarten und im Gegensatz zu anderen Sportlern keine Magenprobleme. Ich denke es lag auch darin, dass ich alle Gels verdünnt mit Wasser zu mir nahm, vor allem auch beim Laufen. Mehr als 30 Athleten sollten bei der Ironman-Distanz kein Ziel sehen.

Obwohl ich mich eigentlich als Läufer sehe hatte ich schon seit geraumer Zeit doch gehörigen Bammel vor dem noch anstehenden Marathon. Sorge bereitete mir vor allem der Umstand, noch nie mehr als einen Halbmarathon gelaufen zu sein, auch nicht im Training. Zuletzt beim VCM 2019. Da bekam ich von so manchen Athleten die düstersten Prognosen prophezeit, wenn man einen Ironman angehen wollte und nicht über einige solcher längeren Einheiten verfügte. Meine Hoffnung dazu lag darin, dass ich mit der deutlich niedrigeren Pace als bei sonstigen Laufbewerben mit ursprünglich geplant 4:45 auf 1 km, dass hoffentlich schaffen sollte. Die Wahrheit sollte bei Pace 5:08 liegen. Ich selbst kam mir extrem beschwert und langsam vor und dachte andere würden schneller laufen. Im Endeffekt war ich allerdings mit diesem Tempo bei diesen Temperaturen und der Vorausbelastung sehr gut unterwegs. Mit der 7.besten Laufzeit overall (3 Stunden, 35 Minuten) konnte ich rund 50 Plätze gut machen und eigentlich den Löwenanteil meines guten Ergebnisses erringen (Durchschnittspuls 138).

Mit einer Gesamtzeit von 10 Stunden, 32 Minuten, 44 Sekunden und Gesamtplatz 38 (6. in der AK 40) bin ich für meine erste Ironman-Distanz überaus zufrieden. Es gab im Prinzip keine größeren Überraschungen. Die Langdistanz ist tatsächlich ein Projekt und nicht mit einem 10km Lauf vergleichbar. Im positiven Sinn gibt es jedenfalls noch Verbesserungspotential (vor allem bei den langen Einheiten), um dort oder da noch einiges herauszuholen und es an anderer Stelle nochmal zu versuchen (Klagenfurt). Wenngleich mir die eine oder andere längere Einheit wohl gefehlt hat, hab ich – so denke ich – mit einer perfekten Vorbereitung für den Wettkampftag alles abgerufen, was an diesem Tag möglich gewesen ist. Ich bedanke mich in diesem Sinne bei allen Sportlern, die ich mit meinen vielen Fragen belästigt habe. Ebenso bei den mitgereisten Fans vor allem vom LAC Harlekin.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch bei meinem Masseur Günther Malleczek (selbst Triathlet beim NCB Tria Team) bedanken. Nachdem ich sehr lange Zeit mit einer ständig wiederkehrenden Entzündung an der Tibialis Posterior Sehne zu schaffen hatte und viele Therapien und Ärzte aufsuchte hat er mich über einige Monate mit seinen kraftvollen Massagen an den Beinen wieder fit bekommen.

Mein nächstes größeres Ziel heißt aus heutiger Sicht Marathondebut beim VCM 2020, den ich im Rahmen der österreichischen Meisterschaften gerne deutlich unter 3 Stunden finishen möchte. Sollte das gelingen, habe ich auf allen gängigen Disziplinen beim Laufen (5er, 10er, HM, M) und Triathlon (SD, OD, HD, IM) ein herzeigbares Ergebnis stehen.

LC Erdpress. Ehre und Stärke.